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Der FunderNation Blog

Deutschland hat viele kluge Köpfe und Technologien mit dem Potenzial, ganze Märkte zu verändern. Woran es häufig fehlt, ist nicht die Innovation selbst – sondern das Kapital, um daraus ein erfolgreiches Produkt zu machen.

Darüber hat unsere FunderNation-Geschäftsführerin Uli Fricke kürzlich im GoingPublic-Interview „Deutschland hat kein Innovationsproblem“ gesprochen. Gerade in der frühen Phase stehen Technologieunternehmen verschiedene Finanzierungsquellen offen. Schwieriger wird es danach: „Technisch validiert, IP aufgebaut, erste Kunden da. Aber dann braucht Deep Tech größere Tickets und einen langen Atem.“

Da ist er, der Elefant im Raum: Warum brauchen Deep Tech Unternehmen „immer wieder“ neues Kapital? Weil zwischen Technologiebeweis und marktreifem Produkt noch viele kapitalintensive Schritte liegen. Und für diese Phase fehlt in Deutschland häufig das Kapital. Das ist übrigens einer der Gründe, warum wir FunderNation gegründet haben.

Und ein Unternehmen, mit dem wir diesen Weg seit nun mehr als 10 Jahren gemeinsam gehen, ist EnerKíte. Seit der ersten Finanzierungsrunde 2014 haben private Investoren zahlreiche Entwicklungsschritte mitfinanziert – von der Demonstrationsanlage über den Technologiebeweis bis hin zu seriennahen Prototypen und ersten Kunden.

Warum also braucht EnerKíte immer noch Finanzierung? Und wie weit ist das Unternehmen heute tatsächlich vom Serienprodukt entfernt? Darüber haben wir mit EnerKíte-CEO Florian Breipohl (auf dem Foto rechts, neben EnerKíte-Mitgründer Christian Gebhardt) gesprochen.

„Ich stehe selbst manchmal in der Halle und schaue mir an, was wir aufgebaut haben, mit einem Gefühlsmix aus Traum, Ehrfurcht und Dankbarkeit“

Lola von FunderNation: Florian, schön, dass du wieder bei uns bist. EnerKíte und FunderNation verbindet inzwischen ja eine ziemlich lange Geschichte: Eure erste Runde auf FunderNation war 2014 – seitdem habt ihr 4 Finanzierungsrunden mit insgesamt über 6,5 Mio. Euro erfolgreich abgeschlossen. Wenn wir gerade darüber gesprochen haben, dass Deep Tech Unternehmen auch nach der eigentlichen Technologieentwicklung immer wieder neues Kapital für die nächsten Schritte benötigen, dann kann man wohl sagen: Das gilt auch für EnerKíte, oder?

Florian von EnerKíte: Ja, absolut. Manch einer fragt sich vielleicht schon, warum wir „schon wieder Kapital benötigen“. Dabei ist das im Deep Tech Bereich das Normalste der Welt. Gerade wenn man sich anschaut, was wir mit den einzelnen Finanzierungsrunden jeweils erreicht haben, sieht man, dass es dabei immer um den nächsten konkreten Entwicklungsschritt ging.

Wir sind mit EnerKíte nun an dem für Deep Tech typischen Punkt, an dem das Kapital das größte Risiko ist – und nicht mehr die Technik oder der Markt. Unsere Crowdinvestoren haben uns dorthin gebracht, indem sie dafür gesorgt haben, dass wir immer eine Kapitalbasis für unsere Entwicklung und den Unternehmensaufbau hatten.

Auch unsere Gesellschafter-Gemeinschaft hat immer wieder zusätzliches Kapital für Erweiterungen und Anschaffungen eingebracht. Eine weitere wichtige Säule unserer Finanzierung sind Fördermittel, die mit etwa 7,4 Mio. Euro immerhin ein Drittel unserer bislang eingesetzten Mittel ausmachen.

Ich denke, wir sind mit der Technologie und auch als Unternehmen nun an der Schwelle, für institutionelle Investoren interessant zu werden. Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen bringen den Fokus wieder stärker auf erneuerbare Technologien.

Wir werden aber auch weiter auf „unsere“ Crowd-Community setzen, auf die wir sehr stolz sind und für die wir große Dankbarkeit empfinden. Unsere Crowdinvestoren und Gesellschafter haben an uns geglaubt, als uns noch keiner kannte, und wir sind zusammen bis heute eine starke Gemeinschaft.

Als solche können wir alle sehr stolz auf das Erreichte sein – vor allem, wenn wir den Blick darauf richten, wo wir angefangen haben. Ich stehe selbst manchmal in der Halle – oder besser gesagt: in den Hallen – und schaue mir an, was wir aufgebaut haben, mit einem Gefühlsmix aus Traum, Ehrfurcht und Dankbarkeit. Das möchte ich auch gerne mit allen unseren Investoren und dem FunderNation-Team zusammen feiern. Wir planen da etwas fürs nächste Jahr.

„Jede Runde hat einen konkreten nächsten Entwicklungsschritt ermöglicht“

Lola: Wenn wir über mehrere Finanzierungsrunden sprechen: Welche konkreten Schritte konntet ihr damit eigentlich finanzieren?

Florian: Mit unserer ersten FunderNation-Runde 2014 haben 312 Investoren mit etwa 350.000 € die Inbetriebnahme der mobilen Demonstrationsanlage EK30 ermöglicht. Sie war die Grundlage dafür, wesentliche technische Systeme – wie das rotierende Start- und Landesystem – erfolgreich umzusetzen. In der zweiten Runde 2020 kamen knapp 1,2 Mio. Euro von 630 Investoren zusammen. Damit konnten wir den Technologiebeweis der EK30 erbringen.

Mit der dritten Runde 2022– rund 1,9 Mio. Euro von 893 Investoren – wurden unter anderem der Bau eines seriennahen Prototyps der Bodenstation sowie die Entwicklung und der Flugbetrieb von Hochleistungsflügeln finanziert. Außerdem entstand unsere neue Entwicklungs- und Produktionsstätte in Eberswalde mit mehr als 1.500 Quadratmetern Fläche.

Die vierte Runde 2023 war dann der bisherige Höhepunkt: Rund 2,9 Mio. Euro von über 1.000 Investoren trugen zum erfolgreichen Start des Vorverkaufs und zum ersten Kunden bei. So wie EnerKíte für FunderNation der erste Kunde war, brachte uns unsere gemeinsame Reise damit auch zum ersten Kunden von EnerKíte und zur ersten verkauften Anlage.

Seitdem haben wir außerdem den EK100P-Prototyp als Plattform für die Produktentwicklung in Betrieb genommen und den Testbetrieb gestartet. Unsere Entwicklungs- und Produktionskapazitäten in Eberswalde wurden um eine weitere Halle mit rund 1.100 Quadratmetern und einem 16-Tonnen-Kran für die Flügelproduktion erweitert.

Wenn man diese Entwicklung zusammennimmt, sieht man gut, warum es bei Deep Tech nicht die eine Finanzierungsrunde gibt, nach der plötzlich alles fertig ist. Jede Runde hat einen konkreten nächsten Entwicklungsschritt ermöglicht.

„Ich würde sagen, dass wir 3/4 des Weges geschafft haben dürften“

Lola von FunderNation: Dann sprechen wir einmal den Elefanten im Raum an: Wann seid ihr endlich fertig? Wie weit seid ihr tatsächlich noch davon entfernt, profitabel am Markt zu sein und keine weitere Finanzierung mehr zu benötigen? Und welche Schritte fehlen bis dahin noch?

Florian von EnerKíte: Ich würde sagen, dass wir 3/4 des Weges geschafft haben dürften. Der härteste Teil liegt hinter uns: nämlich der technische Beweis, dass unser Ansatz des automatischen Betriebs mit Rotationsstart, Ernteflug und Landung am rotierenden Mast mit einem passiven und starren Flügel überhaupt umsetzbar ist.

Was jetzt kommt, ist der Betrieb der Anlage auch unter Grenzbedingungen, um einen sicheren und zuverlässigen Betrieb zu erreichen. Danach folgt die Flugpfadoptimierung, um die Grundlagen für einen wirtschaftlichen Betrieb zu legen. Anschließend geht es um den Dauerbetrieb über mehrere Tage, Wochen und Monate. Nach unserer Kenntnis ist EnerKíte übrigens immer noch Rekordhalter im Dauerflug aus dem Jahr 2014. Schließlich folgt die Skalierung des Flügels auf die vollen 100 kW.

Auf diesem Pfad geht es nicht mehr um Grundsatzfragen, sondern um technische Abwägungen, die Integration von Funktionen und die Weiterentwicklung des Gesamtsystems zu einem Produkt. Deswegen ist es wichtig, dass wir jetzt Demoflüge bei Kunden und Pilotvorhaben gemeinsam mit Kunden umsetzen, denn die Erfahrungen und Erkenntnisse daraus fließen direkt in die Produktentwicklung ein.

Am Markt sind wir ja bereits mit Pilotanlagen, die wir gerade mit Kunden verhandeln. Durch den Verkauf an Seipp und Kehl haben wir gesehen, dass es sogenannte Early Adopters hierfür in Deutschland gibt. Natürlich sind das langwierige Prozesse, da es sich noch um unausgereifte Anlagen handelt und wir eng mit den lokalen Behörden zusammenarbeiten müssen. Mit den Erfahrungen können wir aber in Zukunft den Sales und Projektierungsprozess standardisieren und deutlich straffen.

Gleichzeitig verkaufen wir Standortprüfungen, die zunächst Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit prüfen und anschließend die Möglichkeit zu einer Vorbestellung bieten. Dieses Angebot ist noch nicht lange am Markt, aber wir konnten bereits vier Verträge für solche Prüfungen abschließen. Derzeit arbeiten wir rund 230 Anfragen – hauptsächlich aus Deutschland – ab, um diese Vorprüfungen gemeinsam mit den Kunden zu erstellen.

Profitabel sind die Pilotanlagen und auch die Standortprüfungen noch nicht. Sie dienen vielmehr der Produkt- und Marktvalidierung. Das ist auch wichtig, um institutionellen Investoren Belege für den Market-Fit und die Traction zu liefern damit wir in naher Zukunft größere Kapitalrunden abschließen können. Vorserienanlagen werden wir in vier Jahren und die ersten Serienanlagen in fünf Jahren anbieten können.

Den Break-even werden wir aber erst in 8-9 Jahren erreichen, da wir weiteres Kapital für den Aufbau der Produktion aufnehmen müssen. Der Unternehmenswert wird sich allerdings beim Start in die Serienproduktion in fünf Jahren bereits im dreistelligen Millionenbereich bewegen.

Damit Innovation nicht auf halber Strecke stehen bleibt

Die Entwicklung von EnerKíte zeigt, wie viel Kapital und Ausdauer notwendig sein können, um aus einer neuen Technologie ein marktfähiges Produkt zu machen. Mehr als 2.000 Investoren haben EnerKíte dabei über verschiedene Entwicklungsphasen hinweg begleitet.

Für uns ist genau das ein wichtiger Teil der Idee hinter FunderNation: Unternehmen nicht nur bei ihren ersten Schritten zu finanzieren, sondern ihnen auch danach Zugang zu Kapital zu ermöglichen, damit vielversprechende Technologien nicht nach der Entwicklungsphase stecken bleiben.

Denn am Ende reicht es nicht, Innovationen in Deutschland zu entwickeln. Sie müssen auch die Chance bekommen, hier zu Produkten und Unternehmen zu werden, Kunden zu erreichen und tatsächlich Wirkung zu entfalten.

EnerKíte ist auf diesem Weg noch nicht am Ziel. Aber aus der mobilen Demonstrationsanlage von 2014 sind inzwischen eigene Produktionskapazitäten, Prototypen, Pilotanlagen und erste Kunden geworden. Wir freuen uns deshalb, diesen Weg gemeinsam mit EnerKíte und seiner Investorengemeinschaft weiterzugehen – und auch die nächsten Meilensteine gemeinsam möglich zu machen.