Das neue Kleinanlegerschutzgesetz: Was sich jetzt für Crowd-Investoren ändert

In unzähligen Berichten konnte man sich über das neue Kleinanlegerschutzgesetz informieren, das ab 1. Juli in Kraft tritt. Allen voran wurde auf die geänderten Pflichten der Anbieter von Kapitalmarktprodukten eingegangen. Die Frage, was die Reform für die Nutzer von Crowdfunding-Plattformen wirklich bedeutet, wurde nur vage formuliert.  Wir haben Ihnen die wesentlichen Änderungen für Crowd-Investoren zusammengefasst.

10.000 EUR -Grenze für Privatpersonen
Ein Anleger darf maximal 10.000 EUR pro Anlagebetrag investieren. Ab einem Anlagebetrag von 1.000 EUR muss ein Investor in Form einer Selbstauskunft gegenüber der Plattform bestätigen, dass er über ein Vermögen von mindestens 100.000 EUR verfügt, bzw. maximal zwei Netto-Monatsgehälter investiert. Die Form dieser Erklärung, Papier oder elektronisch, ist dabei nicht vorgeschrieben, wobei davon ausgegangen werden kann, dass die elektronischer Form ausreicht. Wie potentielle Anleger mit der Frage zu ihren finanziellen Verhältnissen umgehen, die bald im Investitionsprozess auftauchen wird, bleibt zuwarten.

Höhere Investitionen nur für Kapitalgesellschaften
Insbesondere Business Angel-Investoren äußerten den Wunsch nach einer Ausnahmeregel für Investitionen über 10.000 EUR für „professionelle Investoren“. Diesem Wunsch wurde Rechnung getragen; die Unternehmensformen GmbH, AG und KGaA können dank eines „höheren Professionalitätsstandards“ auch zukünftig jenseits der Anlageschwelle investieren. Warum der Gesetzgeber die Ausnahme nur für Kapitalgesellschaften vorsieht ist nicht nachvollziehbar, denn anderweitige, übliche Abgrenzungskriterien würden sich durchaus anbieten. Für viele Investoren entsteht so trotz Investitions-Know-How und verfügbarer Investitionssumme eine große Hürde: die Gründung einer Kapitalgesellschaft, bevor eine Investition über 10.0000 Euro getätigt werden kann.

Crowdfunding bis 2,5 Mio. EUR ohne Prospektpflicht möglich
Kapitalsuchende Unternehmen sollen einer Prospektpflicht ab einem Betrag von 2,5 Millionen EUR unterliegen, was eine erhebliche Verbesserung darstellt verglichen mit den Gesetzesentwürfen, die noch eine 1-Million-Euro-Grenze vorsahen. Außerdem wird die deutsche Crowdfunding-Branche im europäischen Vergleich nun doch nicht schlechter gestellt, wie zuerst vermutet. Größere Projekte, wie etwa Immobilien oder erneuerbare Energien, können sich so im Crowdfunding etablieren, ohne dass ein zeit- und kostenintensiver Verkaufsprospekt erstellt werden muss. Das Crowdkapital kann somit direkt in das Projekt fließen, anstatt in Anwalts- und Regulierungskosten von bis zu 50.000 EUR. Auch für soziale und gemeinnützige Projekte gibt es eine beachtliche Erleichterung: sofern ein Projekt keine Vergütung erhält und der gewährte Zinssatz 1,5% nicht übersteigt, können bis zu 10 Mio. EUR eingesammelt werden.

Vermögensanlagen-Informationsblatt
Jeder Investor soll pro Investment in ein Crowdfunding-Projekt ein vierseitiges Vermögensanlagen-Informationsblatt erhalten, das bestätigt werden muss. Die Bestätigung kann vollständig auf elektronischem Wege erfolgen, soweit die Identität des Anlegers zweifelsfrei erkennbar ist. Diese liegt wiederum vor, wenn der Anleger ein Profil auf einer Crowdfunding-Plattform angelegt hat, und die Kenntnisnahme des Vermögensanlagen-Informationsblatt, ähnlich den AGBs, per Klick in eine Box auf der Internetseite bestätigt.
Warnhinweise und Widerrufsrecht statt Werbeverbot
Auch weiterhin dürfen Kapitalanlagen in Crowdfunding-Projekte beworben werden, unabhängig von Werbemedium und –kanal, bedeutet auch in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Allerdings müssen Investoren deutlich auf die erheblichen Risiken verbunden mit dem Angebot, hingewiesen werden. Der Warnhinweis ist in seiner Formulierung gesetzlich vorgegeben: „Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum Verlust des eingesetzten Vermögens führen“. Eine weitere Schutzmaßnahme ist ein 14-tägiges Widerrufsrecht, von dem Investoren Gebrauch machen können. Außerdem wird die Verjährung von Ansprüchen, beispielsweise bei Vertragsverstoß, auf ein Minimum von 3 Jahren geregelt.

 

Um Investoren größtmögliche Transparenz und Klarheit zu Investmentchancen und –risiken zu bieten, hat FunderNation die wesentlichen Neuregelungen bereits seit Gründungstag in 2014 implementiert, wie etwa die Warnhinweise zu den Ausfallrisiken sowie das 14-tägige Widerrufsrecht. Auf die Frage hin wieso diese Schutzmaßnahmen von Tag 1 ergriffen wurden, hat Geschäftsführerin Uli W. Fricke eine klare Antwort: „Wir begrüßen die Professionalisierung, die das KASG für Crowdfunding mit sich bringt. Crowdfunding hat großes Wachstumspotential in Deutschland. Damit dieses Wachstum nachhaltig erfolgen kann ist es wichtig, dass durch professionelle Arbeit und Strukturen das Vertrauen der Investoren dauerhaft gewonnen werden kann.“ In 2014 ist der deutsche Crowdfunding-Markt um 114% auf 140 Mio. EUR gewachsen. Das ganze Potenzial offenbart sich allerdings erst im internationalen Vergleich, denn das Vereinigte Königreich verzeichnet bereits 2.337 Mrd.EUR (The European Alternative Finance Benchmarking Report, University of Cambridge, 2015).

1 Comment

  1. Vielen Dank für die übersichtliche Zusammenfassung. Ich fand es besonders hilfreich, da ich mich mit dem Thema noch nicht so gut auskenne, aber großes Interesse an so einer Investition habe. Ich habe noch in Ihrer Webseite recherchiert und sehr anlockende Möglichkeiten gefunden, ein Crowd-Investor zu werden. Ab jetzt halte ich die Augen offen für ähnliche Möglichkeiten!

    Mit freundlichen Grüße,
    Moritz

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