Bundestag VersammlungDie Diskussion über das Kleinanlegerschutzgesetz reißt nicht ab. Klar ist, dass das Gesetz kommen wird, wann und in welcher Form ist zurzeit noch offen. Prinzipiell ist der Schutz der Investoren wichtig und wünschenswert, da Crowdfunding und Crowdinvesting nur dann nachhaltig sein können, wenn die Interessen der Investoren ausreichend bedacht und berücksichtigt werden. In seiner vorliegenden Form beinhaltet der veröffentlichte Referentenentwurf der Bundesregierung, jedoch noch viele Aspekte, die der jungen Crowdinvesting Industrie in Deutschland und den interessierten Investoren mehr schaden als helfen. Das German Crowdfunding (www.germancrowdfunding.net) identifiziert fünf Punkte im jetzigen Entwurf, die verbessrungsbedürftig sind:

  • Die Untergrenze für die Erstellung eines Vermögensanlageprospekts auf 1 Million Euro zu setzen, halten wir für vollkommen unzureichend. Dies insbesondere deshalb, weil in anderen Ländern die Untergrenze wesentlich höher ist.
  • Eine Bereichsausnahme für Crowdinvesting-Plattformen zu schaffen, ist sinnvoll, aber die Ausnahme nur für partiarische Nachrangdarlehen zu gestalten, halten wir für falsch und wenig hilfreich für die Crowd.  Je nach Finanzierungssituation sind andere Beteiligungsformen deutlich interessengerechter für beide Marktparteien und verwirklichen damit einen besseren Verbraucherschutz.
  • Die Bereichsausnahme an den Maximalbetrag von 10.000 Euro pro Investor zu knüpfen, ist kontraproduktiv weil damit die Investoren mit den großen Summen, die für eine erfolgreiche Finanzierung genauso wichtig sind, wie die Kleinanleger, von den Plattformen vertrieben werden.
  • Die Einschränkungen der Werbung für Crowdfunding-Projekte halten wir für sehr problematisch und nicht durchsetzbar. Sie können sich auf die gesamte Branche existenzbedrohend auswirken.Sie passen nicht zu den digitalen Kommunikationswegen und widersprechen dem Ansatz, dass man offen und transparent über die Finanzierungsform des Crowdfundings sprechen soll. Es gäbe im Kontext digitaler Medien eine Vielzahl besserer Möglichkeiten, um bei der Investorenkommunikation Verbraucherschutz sicherzustellen.
  • Ein Vermögensanlage-Informationsblatt (VIB) anstelle eines umfangreichen Vermögensanlageprospekts halten wir für sinnvoll, das manuelle Unterzeichnen des VIBs und das Einsenden per Post ist jedoch ein gravierender Medienbruch ohne Nutzen und passt nicht zum Instrument des Crowdfunding und erzeugt unnötigen administrativen Aufwand, der nichts zum Schutz der Crowd beiträgt.

Uli W. Fricke, Geschäftsführerin von FunderNation, kommentiert „Ein Gesetzt zum Schutz der Investoren ist sehr begrüßenswert. Allerdings muss man aufpassen, dass das Gesetz nicht über sein Ziel überschießt und zu einer faktischen Schlechterstellung der Crowdinvestoren gegenüber professionellen Investoren wie Business Angel oder Venture Capital Investoren führt. Die Finanzierungsmechanismen von innovativen Unternehmen müssen bei der Gesetzgebung berücksichtigt werden. Dazu zählt neben den oben genannten Punkten z.B. auch die Tatsache, dass Unternehmen in der Regel in mehreren, aufeinanderfolgenden Finanzierungsrunden finanziert werden. Investoren profitieren von der neuen Finanzierungsrunde durch die steigenden Bewertungen und das Wachstum das dem Unternehmen ermöglicht wird und haben Nachteile, wenn sie von der Teilnahme an Folgefinanzierungen ausgeschlossen sind.  Eine Regulierung, die das nicht berücksichtigt wird sich sehr nachteilig auf Crowdinvesting als Finanzierungsalternative für innovative Unternehmen auswirken.“